Skandal oder Sorge um christliche Werte?
Dienstag, den 10. Januar 2012 um 16:02 Uhr

Politiker Hintze und Pastor Denker streiten offen um Bundespräsidenten
(kgc). Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Peter Hintze ließ sich auch von Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) nicht abhalten, beim Neujahrsempfang der Ronsdorfer CDU ans Rednerpult zu stürmen und auf das Grußwort von Hausherr und Pastor Dr. Jochen Denker zu reagieren. Bereits mehrmals hatten die beiden „gelernten“ Pastöre unterschiedliche Auffassungen vertreten. Dabei ist nicht klar, ob die reformierte (Denker) oder lutherische (Hintze) Grundhaltung eine Rolle spielt. Diesmal löste die Diskussion um Bundespräsident Christian Wulff den offenen Streit aus.

 

 

Dr. Jochen Denker, inzwischen in den Führungskreis der Wuppertaler Evangelischen Kirche aufgerückt, ist als Kirchenmann des offenen Wortes bekannt. Ihn befremden die politische Kultur und die Glaubwürdigkeit von Amtsträgern. An den Beispielen Carl Theodorf zu Guttenberg und Christian Wulff machte er seine Sorge deutlich, dass beide Amtsträger ihre Fehler und Schuld nicht ehrlich eingestanden haben und nach dem Eingeständnis eines Fehlers gleich zur Rechtfertigung übergegangen sind. Denker: „Zum Schuleingeständnis gehört die Ich-Form. Eine Entschuldigung kann ich nicht selbst annehmen, Vergebung ist nur durch andere, im vorliegenden Fall das deutsche Volk, möglich.“ Mit dieser Meinung stimmt er mit dem Fernsehjournalisten und Buchautor Peter Hahne überein. Als positives Beispiel nannte Dr. Denker die frühere Bischöfin Margot Käßmann, die nach einer Autofahrt im betrunkenen Zustand alle Ämter niedergelegt hatte und Verantwortung übernahm. „Nur durch Ehrlichkeit sind Erwachsene Vorbilder für ihre Kinder,“ konstatierte Denker im reformierten Gemeindesaal. Zwar versprach der Ronsdorfer CDU-Stadtverbandsvorsitzende Kurt von Nolting: „Ihre Worte werden wir beherzigen,“ doch dann trat der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Peter Hintze zum Gegenangriff an das Mikrophon.
Seine Worte nannte Peter Hintze im Blick auf seinen Kontrahenten Jochen Denker „nachdenkern“: „Ich finde, wir sollten Fehler und Schuld sorgfältig abwägen. Es geht um Rechts- und Wahrheitsverstöße. Christian Wulff hat nicht gegen Recht verstoßen! Wir erleben eine Skandalisierung, in der für Gerechtigkeit und Fairness gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten scheinbar kein Platz mehr ist. Die Pressefreiheit wird für maßlose Übertreibungen genutzt und die Kampagne einer Boulevardzeitung und ihres Verlages findet in den anderen Medien breites Echo und Verstärkung.“ Hintzes Plädoyer erhielt von den anwesenden CDU-Mitgliedern und Freunden frenetischen Beifall. Als viele Gäste sich an leckeren Häppchen erfreuten, sah man Peter Hintze und Jochen Denker noch miteinander diskutieren. Einig sind sie sich darin, dass ihre evangelische Kirche ein „Wächteramt“ wahrnimmt.

 


Pfarrer Dr. Jochen Denker.
Foto: Conrads


Wuppertaler Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär Peter Hintze.
Foto: Conrads
 

 

Zuletzt geändert am: Dienstag, den 10. Januar 2012 um 16:06 Uhr